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Hitler, Adolf- Kindheit und Jugend

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Der Demagoge

(Def. (griechisch „Volksführer“): in den altgriechischen Stadtstaaten ein einflußreicher Redner. Heute wird der Begriff negativ gebraucht: Volksführer, Hetzer)
Im August 1919 wurde Hitler zusammen mit Kameraden zu nationaler Propagandaarbeit ins Lager Lechtfeld geschickt. Dort mußte er vor Heimkehrern aus der Gefangenschaft reden. Von daher kamen erstmals Hitlers rhetorische Fähigkeiten zur Geltung. Ein Vorgesetzter: „Herr Hitler ist ein geborener Volksredner, der durch seinen Fanatismus und sein populäres Auftreten die Zuhörer unbedingt zur Aufmerksamkeit und zum Mitdenken zwingt.“
Sein Vorgesetzter schickte seinen erfolgreichen Agitator (Agitation: die aggressive Werbung für eine politische Gruppe oder Weltanschauung“) zu einer Versammlung der Deutschen Arbeiter Partei (DAP). Dort traf er auf den Reichsvorsitzenden, zugleich Mitglied der völkischen Thule-Gesellschaft, deren Richtung schon 1918 in der Zielsetzung der Vernichtung des Judentums war. Außerdem traf er dort Rudolf Hess, seinen späteren Gehilfen im Dritten Reich, und zwei andere Antisemiten. Ein Mitglied der DAP: „Mensch der hat a Gosch´n, den kunnt ma braucha.“ Hitler trat im September 1919 in die DAP ein. „Hier konnte man noch arbeiten...Hier konnte noch der Inhalt, das Ziel und der Weg bestimmt werden, was bei den beistehenden großen Parteien von Anfang an schon wegfiel. Nach zweitägigem qualvollen Nachgrübeln und Überlegen kam ich endlich zur Überzeugung, den Schritt zu tun. Es war der entscheidendste Entschluß meines Lebens...So meldete ich mich als Mitglied der Deutschen Arbeiterpartei an und erhielt einen provisorischen Mitgliedschein mit der Nummer: sieben.“ In Hitlers erster rein politischen Rede war schon deutlich der Antisemit zu erkennen:
„Zunächst ist das Judentum unbedingt Rasse und nicht Religionsgemeinschaft...Durch tausendjährige Inzucht, häufig vorgenommen in engstem Kreise, hat der Jude im allgemeinen seine Rasse und ihre Eigenarten schärfer bewahrt als zahlreiche der Völker, unter denen er lebt. Und damit ergibt sich die Tatsache, dass zwischen uns eine nichtdeutsche fremde Rasse lebt. Nicht gewillt und auch nicht imstande, ihre Rasseneigenarten zu opfern, ihr eigenes Fühlen, Denken und Streben zu verleugnen, und die dennoch politische Rechte besitzen wie wir selber. Bewegt sich schon das Gefühl des Juden im rein Materiellen, so noch mehr sein Denken und Streben... Der Antisemitismus der Vernunft jedoch muss führen zur planmäßigen gesetzlichen Bekämpfung und Beseitigung der Vorrechte der Juden. Sei letztes Ziel aber muss unverrückbar die Entfernung der Juden überhaupt sein. Zu beidem ist nur fähig eine Regierung nationaler Kraft, niemals eine Regierung nationaler Ohnmacht...“
Aus dem munteren Erzählen des Kriegsfreiwilligen war das fanatische Reden des Demagogen geworden, ohne jede Persönlichkeit, sondern nur noch das politische Ziel in den Augen. Genauso wie energisch und entschlossen wie in der Rede muß man sich Hitler auch als Parteiaktivisten vorstellen. Hitler wurde mit seinen Reden bald der führende Redner, er konnte allein die ganze Partei begeistern.
Die ersten Erfolge wurden im Winter 1919/20 sichtbar. Es gelang Hitler, eine wachsende Zahl von Münchnern für die DAP zu interessieren. Von einer Versammlung im Hofbräuhauskeller vor 111 Zuhörern schrieb er: „Ich sprach dreißig Minuten, und was ich früher, ohne es irgendwie zu wissen, einfach innerlich gefühlt hatte, wurde nun durch die Wirklichkeit bewiesen: Ich konnte reden! Nach dreißig Minuten waren die Menschen in dem kleinen Raum elektrisiert.“ Für Hitler war das Reden und der damit verbundene Applaus wie eine Droge, die er immer wieder brauchte. Nach seine Reden war er immer völlig verschwitzt und um Pfunde leichter. Joseph Goebbels, selbst einer der besten und gefährlichsten Redner sagte über ihn: „Als Redner ein wundervoller Dreiklang zwischen Geste, Mimik und Wort. Der geborene Aufpeitscher! Mit dem Mann kann man die Welt erobern. Laßt ihn los, und er bringt die korrupte Republik ins Wanken.“
Hitler vertraute nicht nur seiner Ausstrahlung, er arbeitete außerdem noch an seinen handwerklichen Mitteln. Manchmal gab ihm ein Opernsänger Sprechunterricht. Vor dem Spiegel probte er Handstellungen und Mienenspiel.


Er arbeitete an seinem Erscheinungsbild, um soviel wie möglich unter Selbstkontrolle zu haben, sogar seine Wutausbrüche. Eigentlich aber dachte er über die Masse, die ihm zuhörte sehr geringschätzig: „Die Aufnahmefähigkeit der Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergeßlichkeit groß. Aus diesem Grunde muß eine Propagandarede volkstümlich sein, und ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt.“
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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