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Die Keimzelle des Dritten
Reiches
Im Februar 1920 rief die DAP zur ersten
Großveranstaltung im Festsaal des Hofbräuhauses auf. Im Verlauf des
Abends verlaß Hitler das Parteiprogramm der DAP, in 25 Punkten, von denen
sich vier auf Juden beziehen. Einige Tage nach dem Parteitag setzte sich die DAP
ihrem Namen das Wort „nationalsozialistisch“ voran, hieß also
von da an Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Mit seinem
Widerstand gegen jede kleine Entscheidung erwies sich Hitler schon bald als
Machtmensch. Noch ließ er aber anderen die Vormachtstellung in der Partei,
und begnügte sich mit dem Propagandaposten.
Einen Monat später gab es einen großen Putsch
der Rechtsradikalen in München, der auch gelang, im Gegensatz zu Berlin, wo
ein Putsch niedergeschlagen wurde. Es gab in München also einen
Machtwechsel und immer häufiger hörten Münchner den Namen Adolf
Hitler, aber nicht nur sie. Im April entstand in Rosenheim die erste Ortsgruppe
der NSDAP außerhalb Münchens. Hitlers Ziele waren vor allem die
Bekämpfung des Versailler Vertrags und der Juden. Die Juden waren seiner
Meinung nach an allem Unglück schuld: „Juden - Die Macher am
Weltkrieg - Die Macher der deutschen Niederlage - Die Macher der Revolution -
Die Macher des Waffenstillstandes - Die Macher des Friedensvertrags.“
Der besessene Redner, der mittlerweile schon Säle füllte, war
innerhalb seiner Partei wie ein adoptierter Junge, mit dem sein Adoptivvater
nicht mehr zurecht kommt. Und so stellte sich die Machtfrage in der Partei ein
zweites Mal, diesmal endgültig. Hitler konnte nicht mehr lange jemanden
über sich haben. Im Juli 1921 brach der Streit öffentlich aus, als
Hitler demonstrativ aus der Partei austrat, als gegen seinen Willen eine
Entscheidung gefällt wurde. Den Wiedereintritt machte er von folgenden
Forderungen abhängig: „Der derzeitige Ausschuß der Partei
legt seine Ämter nieder, bei der Neuwahl desselben fordere ich den Posten
des 1. Vorsitzenden mit diktatorischer Machtbefugnis...Für die Partei kann
es niemals einen Zusammenschluß mit denjenigen geben, die mit uns in
Verbindung treten wollen, sondern nur deren Anschluß...“ Die
Parteispitze kapitulierte sofort ohne Widerrede: „Der Ausschuß
ist bereit, in Anerkennung ihres ungeheuren Wissens, Ihrer, mit seltener
Aufopferung und nur ehrenamtlich geleisteten Verdienste für das Gedeihen
der Bewegung, Ihrer seltenen Rednergabe, Ihnen diktatorische Machtbefugnisse
einzuräumen und begrüßt es auf das freudigste, wenn Sie nach
ihrem Wiedereintritt die Stelle des Vorsitzenden übernehmen.“ 22
Monate nach dem Eintritt in die DAP besaß er soviel Macht, wie kein
anderer Parteichef in Deutschland, obwohl die Mitgliederzahl der DAP weit
geringer war, als die der großen Parteien.
In der Partei war nun ein regelrechter Führerkult
(Die Bezeichnung „Führer“ für Hitler taucht das erstemal
am 4.August 1921 in der parteieigenen Zeitung auf). Ein Jahr nach der
Einrichtung dieser „innenparteilichen Diktatur“ beschreibt Rudolf
Heß Hitler so: „Der Glaube an die Reinheit der eigenen Sache und
an den unendlichen Sieg, eine unbändige Willenskraft geben ihm die Macht
der hinreißenden Rede, die die Massen ihm zujubeln läßt...Er
selbst hat nichts mit der Masse gemein, ist ganz Persönlichkeit, wie jeder
Große. Wenn die Not es gebietet, scheut er auch nicht davor zurück,
Blut zu vergießen. Große Fragen werden immer durch Eisen und Blut
entschieden...Er hat einzig und allein vor Augen, sein Ziel zu erreichen,
stampft er dabei auch über seine nächsten Freunde hinweg...Noch wissen
wir nicht, wann er rettend eingreift, der Mann. Aber dass er kommt, fühlen
Millionen.“
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